Blicke sprechen lassen

Was geschieht mit uns, wenn wir direkten Blickkontakt aufnehmen, was sagen uns Blicke, wenn sie sprechen könnten und wie macht man den richtigen Augenkontakt, bei dem es „funkt“? Kommunikationsexpertin Nana Walzer hat Tipps.

Manchmal sieht uns jemand an, den wir nicht kennen und es überkommt uns ein ganz eigenartiges Gefühl. Früher sprach man manchmal vom „Bösen Blick“, mit dem einen jemand verwünschen könnte. Auch heute noch spricht man von „Liebe auf den ersten Blick“. Im Blick kann also ganz viel Bedeutung liegen. Und dieses „ganz viel“ entsteht interessanterweise im Angesehenen, also im Empfänger des Blickes.

Sendungshinweis:

„Radio Wien am Nachmittag“, 10.8.2017

Welcher daraufhin den Blick erwidert oder abwendet. Bleibt der Blickkontakt aufrecht, dann erst geht die stumme Kommunikation weiter und tiefer als die erste Interpretation, dann fangen Blicke miteinander zu sprechen an. Wer wegsieht, vermeidet diesen Blick „dahinter“, hinein in die Seele des anderen, in seine Befindlichkeit und Intention, Person und Bedürfnisse. Manchmal tut man natürlich gut daran, sich nicht mit den Schwierigkeiten des anderen auseinanderzusetzen. Aber oftmals können wir unendlich viel gewinnen, wenn wir dranbleiben.

Frau und Mann schauen sich an
Colourbox.de

Was sagen Blicke wirklich?

Wenn wir Augenkontakt aufnehmen, dann fühlen wir uns verbunden. Es ist aber wichtig, diese kostbare Verbindung nicht mit den eigenen Gedanken und körperlichen Empfindungen zu überdecken, also nicht eigenes in den anderen hinein zu interpretieren.

Tun wir dies nämlich, dann beschränken wir die Möglichkeiten auf unsere eigenen Gewohnheiten, unsere Erwartungen, Ängste und Hoffnungen. Stattdessen gilt es, möglichst offen wahrzunehmen, was da ist. Und das kann natürlich beängstigend sein. Liebe oder Hass, Wollen und Wünschen – in einem selbst und in anderen – können jetzt gesehen werden, ohne dass wir darauf reagieren müssen.

Die Künstlerin Marina Abramovic hat im Museum of Modern Art in New York 2010 sage und schreibe 700 Stunden lang über 1500 Menschen in die Augen gesehen. Sie ist der Meinung, dass in unserer Gesellschaft der tiefe Augenkontakt zu kurz kommt. Nicht nur zu unseren nächsten Verwandten. Besonders der Kontakt zu Unbekannten kann transformativ wirken. Wobei es nicht darum geht, wahllos alle Menschen anzustarren, das kann durchaus unangenehm bis gefährlich werden, da sich manche angegriffen oder gestört fühlen.

Aber wenn es gelingt und die richtigen, weil passenden und offenen Menschen einander ansehen, dann kann es zu einem Überschuss an wunderbaren Gefühlen kommen. Die müssen zu gar nichts führen. Alleine deren Existenz zu erleben ist immens bereichernd. Wir nehmen Einsamkeit und Schmerz wahr und zeigen unser Mitgefühl, einfach dadurch dass wir dies wahrnehmen und da sind, eben nicht wegsehen. Genauso können wir reine Freude und bedingungslose Liebe empfinden, schlicht und ergreifend weil wir da sind und für einander offen.

Elektrisierender Augenkontakt

Wenn es ums Flirten, um Romantik oder um den leichten Aufriss geht, dann kann der richtige Blickkontakt natürlich auch so einiges. Ein spannender Blick spricht mehr als tausend Worte. Wollen wir andere von uns begeistern, egal ob im Alltag oder bei einer Party, dann ist wichtig, dass wir nicht nervös werden oder starren. Zuversicht und Sympathie, Offenheit und Interesse sind die Gefühle, die wir durch unsere Augen sprechen lassen sollten. Davon sollte der Rest des Körpers nicht ablenken. Also ruhig bleiben, leicht lächeln, ansonsten keine anderen Gedanken oder Inhalte durch Körpersprache, also weder durch Gestik noch durch Mimik, ausdrücken.

Weniger ist mehr. Direkt in die Augen des anderen sehen, als würden wir in sein tiefstes Inneres blicken. Schaut der andere nicht her, können wir es mit kurzen Blicken in seine Richtung versuchen, etwa 1,5 Sekunden lang. Dabei nicht den Körper scannen oder generell alles angrinsen, das wirkt eher unangenehm als anregend.

Der andere sollte den Augenkontakt schon persönlich nehmen können. Statt in die Pupillen des anderen zu sehen und zwischen linkem und rechtem Auge hin und her zu wechseln funktioniert es besser, auf den Nasenrücken oder zwischen die Augenbrauen zu blicken, so hat man automatisch auch beide Augen im Blick. Auch ist es hilfreich eher seitlich aus den Augenwinkeln zu blicken statt direkt frontal. Kommt man dann ins Gespräch so kann fortdauernder Augenkontakt bei gelegentlichem Wechsel der Kopfposition die Intensität des Momentes immens steigern.

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Nana Walzer
Nana Walzer: „Die Kunst der Begegnung“

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