Fairness auf der Straße: Kampagne nimmt Gestalt an

Die von der Stadt angekündigte Kampagne für mehr Fairness auf den Straßen nimmt Gestalt an: Die Grundlagen dafür wurden im Rahmen eines Workshops und mittels Befragungen von Verkehrsteilnehmern erarbeitet. Dabei wurden auch gängige Klischees definiert.

Unter anderem wurden bei dem Workshop die Ursachen für negative Klischees im Straßenverkehr eruiert. Nun liegen erste Ergebnisse vor, wie die APA aus dem Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) erfuhr.

Als Gründe für negative Klischees wurden in den Arbeitsgruppen vor allem Unachtsamkeit, Rücksichtslosigkeit, Wettkampfdenken, Zeitdruck, Ablenkung (zum Beispiel durch das Handy oder Müdigkeit) sowie fehlerhafte Selbsteinschätzung genannt. Zu den weiteren Problemen zählt die Unkenntnis von Verkehrsregeln und Rechtslagen. Auch die missbräuchliche Verwendung bestimmter Räume wurde kritisiert - etwa Radfahrer, die auf Gehsteigen fahren, oder falsch parkende Autos.

„Es geht darum, diese Klischees aufzubrechen“

Zudem wurden in den Arbeitsgruppen auch gängige Klischees definiert. So gelten Fußgänger und Radfahrer zum Beispiel als unberechenbar. Sie könnten sich „alles erlauben“, weil sie nicht verfolgt werden können, hieß es dabei unter anderem. Autofahrer würden sich „gewohnheitsmäßig“ meist gleich und nicht angepasst verhalten - egal ob sie auf einer Hauptstraße oder einer Wohnstraße unterwegs seien. Motorradfahrer gelten als „wild“. Diese Einschätzungen würden von den Medien unterstützt und dadurch verstärkt werden.

„Es geht darum, diese Klischees aufzubrechen und für mehr Rücksichtnahme bei allen Verkehrsteilnehmern zu werben“, erklärte ein Sprecher der Verkehrsstadträtin den Zweck der Kampagne. Ziel sei es, dass sich die Verkehrsteilnehmer in Wien sicherer fühlen. Eine Verbesserung der Gesamtsituation könne beispielsweise erreicht werden, wenn Verkehrsteilnehmer die Auswirkungen des eigenen Handelns auf andere reflektieren und wenn sie eine defensive, vernunftbetonte Rolle einnehmen und auf falsches Verhalten richtig reagieren würden.

Ziel ist Entwicklung einer Kampagne

An der Erarbeitung der städtischen Sensibilisierungskampagne sind unterschiedliche Gruppen beteiligt. So nahmen am Workshop etwa Verkehrsorganisationen wie ARBÖ, ÖAMTC, Verkehrsclub Österreich (VCÖ), IG Fahrrad, die Taxi-Innung oder auch Vertreter der zuständigen städtischen Einrichtungen teil. Auch Verkehrsteilnehmer wurden befragt, zudem wurde die Verkehrssituation in Wien analysiert.

Die Ergebnisse werden in einem weiteren Workshop zusammengefasst, der in den nächsten Wochen stattfinden soll. Das Resultat dient dann als endgültige Basis für die Entwicklung der Kampagne, mit der schließlich für mehr Sensibilität, Rücksichtnahme und Fairness in Wiens Straßenverkehr geworben werden soll. Plan ist, die Kampagne gemeinsam mit den beteiligten Organisationen umzusetzen. Im Frühjahr soll das Endresultat zu sehen sein.

Die Sensibilisierungskampagne wurde in der Vergangenheit immer wieder mit dem Begriff „Knigge“ in Zusammenhang gebracht. Zunächst waren außerdem Meldungen kursiert, wonach vor allem Regeln für rücksichtslose Radler geplant seien. Mit der Aktion, die nun erarbeitet wird, sollen aber alle Verkehrsteilnehmer vom Rad- bis zum Autofahrer angesprochen werden, wie im Rathaus betont wurde.

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