Bei Rot über Kreuzung sorgt für Kritik

Der Vorschlag, Radfahrern und Fußgängern bei einigen Ampeln bei Rot das Überqueren von Kreuzungen zu ermöglichen, stößt beim Kuratorium für Verkehrsicherheit (KFV) auf Ablehnung. Dabei wird auf die fehlende Vorbildwirkung für Kinder verwiesen.

„Mit über 900 Verunglückten auf ampelgeregelten Schutzwegen pro Jahr sollten wir uns besser darüber Gedanken machen, wie wir die Schutzwege - auch die ungeregelten - sicherer machen können“, meinte Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), in einer Aussendung.

„Das Ziel muss es sein, den Schwächeren zu schützen. Das wird nicht dadurch erreicht, wenn ich ihn bei Rot über die Kreuzung gehen lasse“, so Thann. Zudem verwies er auf die fehlende Vorbildwirkung: „Was sollen sich Kinder denken, die dann Erwachsene bei Rot queren sehen? Kinder können die Geschwindigkeit herannahender Fahrzeuge nicht einschätzen und brauchen daher klare Regeln, um im immer komplexer werdenden Verkehrsgeschehen sicher unterwegs sein zu können.“

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Auch Grüne lehnen Vorschlag ab

„Das Überqueren bei Rot sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer zu erlauben, steht für Wien nicht zur Debatte“, so der Verkehrssprecher der Grünen, Rüdiger Maresch, in einer Aussendung. „Ich schließe mich der Meinung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit an, dass die Maßnahme vor allem für Kinder eine falsche Vorbildwirkung hat.“

„Fußgänger kann Lage besser wahrnehmen“

Der Vorschlag war von Verkehrsplaner Ulrich Leth vom Institut für Verkehrswissenschaften der Technischen Universität Wien (TU) gekommen. „Der Fußgänger ist viel besser in der Lage die Umgebung wahrzunehmen, weil er unmittelbar im Verkehr unterwegs ist“, sagte Leth gegenüber „Radio Wien“. Auch Radfahrer können laut Leth die Verkehrssituation besser einschätzen, als Autofahrer, die in einem geschlossenen Raum sitzen. Deshalb forderte der Verkehrsplaner das Überqueren bei Rot sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer.

Bei den Radlern verwies Leth auf Paris. Dort gibt es an Kreuzungen Zusatztafeln für Radfahrer, die das Rechtsabbiegen beziehungsweise Geradeausfahren auch bei Roter Ampel erlauben. Zwar nur in einem kleinen Grätzl und vorerst nur testweise, aber für den Verkehrsplaner reicht dies, um das Überfahren von roten Ampeln auch für Wien zu fordern. Für Leth geht es dabei auch um mehr Eigenverantwortung des Einzelnen, womit auch die Rücksichtnahme steigen würde, so der Verkehrsexperte.

Vorschlag stößt auf gemischte Reaktionen

Die Wienerinnen und Wiener reagierten auf den Vorschlag unterschiedlich. „Ich persönlich würde drüber gehen“, sagte ein Passant. Ein anderer meinte: „An und für sich passiert es schon, dass ich bei Rot über die Straße gehe, wenn es der Verkehr erlaubt.“

Eine Fußgängerin konnte dem Vorschlag nichts positives abgewinnen: „Kinder muss man erziehen, dass sie bei Grün gehen, es ist schon so viel passiert. Das wäre sehr blöd.“ „Da können wir die Ampeln ja überhaupt gleich bleiben lassen, weil da macht es ja überhaupt keinen Sinn“, meinte ein anderer Passant gegenüber „Radio Wien“.

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