Trotz Shitstorms: BAWAG behält „Islamkonten“

Anders als die Handelskette Spar, die nach Anfeindungen den Verkauf von Halal-Fleisch eingestellt hat, will die BAWAG P.S.K. den Testlauf mit Konten nach muslimischem Recht in Wien nicht absagen. Am Donnerstag war ein Shitstorm über die Bank ergangen.

Die negativen und höhnischen Stimmen im Netz sollen nichts daran ändern: Ab 4. Februar werde es das „simple Girokontoprodukt“, das weder Zinsen noch klassische Kredite umfasse, einmal testweise geben. Für den Test sind Filialen in drei Wiener Bezirken ausgesucht worden, in denen viele türkisch- und bosnischstämmige Muslime einheimisch sind: Ottakring, Favoriten, Brigittenau - mehr dazu in BAWAG startet mit „Islamic Banking“.

BAWAG: Sind „eine Bank mitten im Leben“

„Wir nehmen die Diskussion auf unserer Facebook-Seite ernst und setzen uns auch damit auseinander“, sagte ein Banksprecher am Freitag zur APA. „Das ändert aber nichts daran, dass wir eine Bank mitten im Leben sind“, fügte er hinzu. So geht auch der Werbespruch der US-fondsdominierten Großbank, die 2007 von der Gewerkschaft an Cerberus & Co verkauft wurde.

Filiale der BAWAG PSK in Wien

ORF

Ab 4. Februar Pilotprojekt in drei Wiener Filialen

Das Produkt entspreche dem österreichischen Bankwesengesetz und sei für alle da, so der Sprecher. „Es ist ein einfaches Produkt für eine Glaubensgemeinschaft, es wird aber niemand gefragt, welche religiöse Orientierung er hat.“ Das Produkt werde auf Deutsch aufgelegt.

Boykottaufrufe im Internet

Eine Facebebook-Gruppe rief gestern schon geschlossen zu einem Boykott der Bank auf, diese Gruppe gilt als einschlägig bekannt, heißt es. In den Sozialen Netzwerken und Zeitungspostings überwogen negative Stimmen zu dem BAWAG-Vorhaben. Offene Ausländerfeindlichkeit und Unverständnis zu Bankgeschäften mit Zinsverbot dominieren. Viele wollten von der BAWAG aber auch wissen, wie es funktioniert, sagt die Bank.

Und so soll es funktionieren: Die Bank zahlt auf das Girokonto weder Zinsen, noch werden welche eingehoben. Vielmehr ist bei den drei auf den Testmarkt kommenden „Amana“-Konten von „fixen Kontoentgelten“ die Rede. Klassische Kredite gibt es auf dem „islamkonformen“ Girokonto nicht. Die einzige Kreditmöglichkeit, die mit diesen Gebühren abgedeckt ist, sind (beschränkte) Überziehungen bzw. Kreditkartenfunktionen. Hauskäufe über Kredit sind so nicht machbar und im Rahmen dieses Projekts nicht vorgesehen.

Bankmitarbeiter sprechen Türkisch und Bosnisch

Die einfachste Variante gibt es ab 4,90 Euro im Monat (Kontoführungsgebühr) mit Kontokarte. Variante zwei ist ein Girokonto (für 11,99 Euro im Monat) mit bis zu 1.000 Euro Überziehungsrahmen, der Rahmen heißt hier „Einkaufsreserve“ oder „Einkaufspauschale“. Für 34,99 Euro pro Monat gibt es die dritte (teuerste) Variante des „Amana“-Girokontos, da ist eine Kreditkarte dabei.

Die Gesamtkosten sind laut Bank für die Kunden vergleichbar mit herkömmlichen Konten. Zum Vergleich: Auf einem normalen Basis-Girokonto der BAWAG fallen pro Jahr 13,25 Prozent Überziehungszinsen an. Die Kontoführungsgebühr liegt bei der Bank bei 13,70 Euro im Quartal, dazu kommen weiters 27,40 Euro im Quartal für die Kreditkarte. Wer also häufig geringfügig im Minus ist, ist unter Umständen mit einem „Amana“-Konto besser dran.

In den Filialen, in denen die BAWAG die neuen Girokonten auflegt, die dem religiösen Gesetz der Scharia entsprechen, wird auch die Sprache der erwarteten Kunden gesprochen. Wie viele Kontopakete die BAWAG-Schaltermitarbeiter verkauft haben müssen, dass an eine sukzessive flächendeckende Versorgung gedacht ist, behält die BAWAG vorerst für sich.

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