Flüchtlinge: Lehrer fordern 1.000 Zusatzkräfte

Die Wiener Pflichtschullehrer fordern für die Betreuung von Flüchtlingskindern mehr Personal. Nun verspricht der Stadtschulratspräsident Abhilfe: Geld sei unterwegs, erste Maßnahmen könnten im März starten.

Es würden ganz dringend Schulpsychologen, administratives Supportpersonal, Schulsozialarbeiter und Dolmetscher gebraucht, sagte Stephan Maresch, Chefgewerkschafter der Pflichtschullehrerinnen und –lehrer im Interview mit dem ORF Wien. Diese mindestens 1.000 Extrafachkräften fordert die Gewerkschaft zusätzlich zu mehr Lehrern aufgrund der höheren Schülerzahlen.

Kinder von Flüchtlingen an ihrem ersten Schultag in Wien

ORF

Flüchtlingskinder im Jänner an ihrem ersten Schultag in Wien-Rudolfsheim

Die Situation sei in Wien besonders schwierig, erklärte Maresch: „Wien hat das Problem, dass wir aufgrund des Zuzugs in den letzten Jahren einfach zu wenig freie Schulplätze haben und auch ein Problem haben, qualifiziertes Lehrerpersonal zu finden." Die Flüchtlingskinder kämen also zu den „großstädtischen Herausforderungen“ der letzten Jahre dazu.

Rund 2.000 Flüchtlingskinder in Wiener Schulen

In Wien besuchen laut Maresch inzwischen über 2.000 Flüchtlingskinder im schulpflichtigen Alter eine Schule, Tendenz steigend, vor allem rund um Flüchtlingsquartiere. Neben Dolmetschern brauche man vor allem auch administrative Unterstützung, so Maresch: "Die Lehrer müssen neben der pädagogischem Aufgabe auch noch das Schulverwaltungstechnische machen - wie kommt so ein Kind zu einer Schülerfreifahrt, hat ein Kind Papiere?“

Mobile Teams und Zusatzkurse ab März

Abhilfe versprach nun Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorsky gegenüber Radio Wien. Denn eigentlich hatte der Bund bereits im September 24 Millionen Euro für integrative Maßnahmen zugesagt. Noch ist dieses Geld laut Czernohorszky zwar nicht angekommen, er zeigte sich jedoch zuversichtlich: „Uns hat die Ankündigung erreicht, dass wir mit März starten können.“ Ab dem ersten Tag nach Erhalt werde man die Mittel einsetzen, versprach Czernohorsky. Konkret will er drei Säulen stärken.

„Zuallererst sollen fünf Millionen von dem Geld für mobile Teams eingesetzt werden, also um Unterstützungspersonal an allen Schulen zu ermöglichen“, meinte der Stadtschulratspräsident. Außerdem soll es Alphabetisierungskurse und einjährige Übergangsstufen geben, in denen Schüler auf den Regelunterricht vorbereitet werden.

Gewerkschaft fordert Hilfe

Die Gewerkschaft der PflichtschullehrerInnen fordert Psychologen und auch Dolmetscher Zur Unterstützung im Unterricht.

Offener Brief: Schulen „an Grenze“

Bereits im Jänner hatte die Gewerkschaft in einem offenen Brief an Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) Alarm geschlagen. Man sehe „die Wiener Pflichtschule an ihre Grenzen stoßen“, hieß es in dem Brief. Die Belastung der Kolleginnen und Kollegen in den Standorten steige täglich und: „Auf diese Weise sinkt die Qualität des Unterrichts, und damit sinken auch die Zukunftschancen aller Kinder“, schrieben die Personalvertreter – mehr dazu in Flüchtlinge: Schulen „an Grenze“.

Auf den Brief habe das Ministerium bisher nicht reagiert, bedauerte Maresch. Unabhängig davon wurden vom Bund für ganz Österreich 24 Millionen Euro für integrative Bildungsmaßnahmen zugesichert. Das Geld aus dem Integrationstopf wird nach Bedarf ausgezahlt, was bedeutet, dass die Bundesländer Anträge stellen müssen.

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