Bildungsstandards-Ergebnis „katastrophal“

Die Resultate der Bildungsstandardtestungen, wonach 15 Prozent der Schüler am Ende der Volksschule die Bildungsziele komplett verfehlen, sind für Stefan Hopmann, Bildungsforscher an der Universität Wien, schlicht „katastrophal“.

„Die Kinder tragen diesen Mangel ja in die nachfolgenden Schulen hinein.“ Das Ausmaß der Risikogruppe überrascht den Wissenschafter nicht: „Wir haben seit 20 Jahren ähnliche Ergebnisse“, so Hopmann. Die Prognose für die betreffenden Schüler ist aus Hopmanns Sicht düster: „Für diese 11.000 Schüler wird es verdammt schwer werden, einen Schulabschluss zu erreichen.“

Auch jene weiteren rund 15 Prozent, die in mehreren Teilbereichen (Lesen, Schreiben, Sprachbetrachtung, Hörverständnis) Probleme hätten, gingen mit „ziemlichen Defiziten“ in die Neue Mittelschule (NMS) oder AHS „Viele dieser Schüler werden es nicht schaffen, eine Qualifikation zu erhalten, die sie fit für den ersten Arbeitsmarkt macht.“ Wenn Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) die Ergebnisse als Beleg sehe, wie gut das österreichische Schulsystem funktioniere, sei das „blanker Zynismus“.

Wien Schlusslicht bei Bildungsstandards

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Unterricht geht zuwenig auf Unterschiedlichkeit ein

Den Lehrern will der Wissenschafter nicht die Schuld für die Defizite der Kinder geben. Im derzeitigen System könnten die Pädagogen ihre Schüler bei Lernunterschieden von bis zu drei Jahren bei Schuleinstieg schlicht nicht in dem Umfang fördern, wie es notwendig wäre. Dazu müsste man nämlich laut Hopmann das derzeitige System - ein Lehrer, eine Klasse - umstellen und früher auf die Unterschiedlichkeit der Schüler reagieren.

Bisherige Reformen hätten an der Risikogruppe nicht viel geändert, weil stets „riesiges Vertrauen“ in einzelne Maßnahmen wie etwa Bildungsstandards, Ganztagsschulen oder „irgendwelche Schulformen für alle“ gesetzt würden. Auch allgemeine Individualisierung führe nicht zum Ziel; wenn man Kinder einfach mit Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade versorge, schreibe man nur „das Elend“ fort. „Die Schüler sind so unterschiedlich, dass sie einfach ein unterschiedliches Angebot, eine unterschiedliche Förderung und unterschiedliche Hilfe brauchen.“

„Mitarbeit“ der Eltern gefordert

Der Umstellungsprozess sei hart und dauere, aber er bringe etwas. Wenn man den Wissensstand jedes einzelnen Schülers kenne und Risikoschülern intensivere Begleitung und Förderung auch einmal in kleineren Gruppen gebe, könne man bereits mit relativ wenig Aufwand ziemlich viele Verbesserungen erreichen, verweist Hopmann auf Forschung zum Thema.

Die Schulen müssten die Möglichkeit bekommen, je nach Anforderungen am Standort gezielt mit Schülern mit Problemen zu arbeiten. Derzeit setze das österreichische Schulsystem hingegen schon sehr früh auf die „Mitarbeit“ der Eltern. Kinder ohne derartiges „Backup“ lägen dann bis zum Ende der Volksschule bis zu drei Lernjahre zurück.

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