Lunacek: „Umweltzonen sind sinnvoll“

Die grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek hat im „Wien heute“-Interview bei umstrittenen Themen wie Lobautunnel und Umweltzonen auf die Wiener Grünen verwiesen. Bei Öffis und Bildung findet sie, dass Wien eine Vorzeigestadt sei.

„Nach diesen schrecklichen Unwettern, die wir jetzt im Sommer gehabt haben, die Dürre, jetzt der Hurrikan in der Karibik und den USA, wird klar, dass es starke Grüne braucht“, so Lunacek im „Wien heute“-Interview. Die Umfragewerte ihrer Partei sind derzeit aber nicht so gut, wie sie die grüne Spitzenkandidatin gerne hätte.

Deshalb möchte sie bis zur Wahl eine Aufholjagd machen. Sie hofft es der österreichischen Frauenfußball-Nationalmannschaft gleich zu tun: Sie möchte mit den Grünen aus den hinteren Reihen starten und dann „eine tolle Überraschung“ liefern - mehr dazu in Lunacek verspricht grüne Aufholjagd.

Moser und Kogler bleiben als „Aufdecker“

Peter Pilz, der die Grünen verlassen hat und nun mit einer eigenen Liste antritt, fehlt ihr nicht. „Nein, er ist gegangen, das war seine Entscheidung. Wir machen jetzt weiter mit starken Grünen, auch mit vielen neuen für den nächsten Nationalrat. Und mit unseren erfahrenen Aufdeckerinnen: Mit Gabi Moser, die hat den BUWOG-Skandal aufgedeckt, und Werner Kogler, mit seiner Arbeit zum Hypo-Skandal, haben wir sehr gute Leute.“

Ulrike Lunacek

ORF

Lunacek tritt für einen Mindestlohn von 1.750 Euro ein

Für Lobautunnel ist „Vassilakou zuständig“

Ein großes grünes Thema in Wien ist der Lobautunnel. Eine Alternative dafür will Lunacek nicht nennen. „Nein, die hab ich auch nicht parat. Da ist die Maria Vassilakou dafür zuständig.“ Lunacek lobt jedoch die Arbeit der Wiener Grünen. „Wenn ich schau, wie günstig jetzt die Öffis sind, das 365-Euro-Ticket, und die Radwege. In Wien bewegen sich um die 70 Prozent der Leute zu Fuß, mit dem Rad oder mit Öffis durch die Stadt. Das ist, und ich komme viel in Europa herum, wirklich eine Vorzeigestadt geworden.“

Ohne Details zu nennen, denn dafür gäbe es laut Lunacek Verkehrsplaner, macht sie sich für Umweltzonen in Wien stark. „Es sind die Zonen, wo die Umweltverschmutzung am stärksten ist. Es geht darum zu sorgen, dass die Luft gut ist und es keine Krankheitsfälle dadurch gibt.“ Denn in Graz beispielsweise hätte es wegen des Feinstaubs eine Zunahme von Asthma bei Kindern gegeben.

Interview mit Ulrike Lunacek (Grüne)

Die grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek im Interview mit „Wien heute“-Moderatorin Ulrike Dobes im Veranstaltungszentrum Europahaus.

„Gescheite Verkehrsmittel“ fördern

Gegen Autofahrer, wie es den Grünen gerne unterstellt wird, ist die Spitzenpolitikerin nicht. „Ich verwende Carsharing, fahre auch öfters mal mit dem Taxi. Aber das Bild, wir sind gegen das Auto, das ist absurd. Wir wollen, dass die Menschen jenes Verkehrsmittel nutzen können - und es leistbar ist -, das für den Bedarf, den sie haben, am Gescheitesten ist. Und um schnell durch Wien zu kommen ist die U-Bahn sicher gescheiter als mit dem Auto im Stau zu stehen. Hier wollen wir immer das fördern, was umweltfreundlicher und günstiger ist.“

Die Grünen wollen ab 2030 Neuzulassungen von Autos mit Verbrennungsmotoren verbieten. Lunacek: „Es geht darum, sehr viel mehr in Elektromotoren zu investieren. Dazu braucht es auch mehr E-Tankstellen.“ Dass sich diese in Wien immer wieder verzögern, weiß Lunacek. „Ja, aber die kommen jetzt. Das ist jetzt in Planung und da wird es mehr geben. Das geht nicht von einem Tag auf den nächsten.“

35-Stunden-Woche und Mindestlohn

Laut Lunacek sei Österreich „was den Klimaschutz betrifft und die Reduzierung an CO2-Ausstoß Schlusslicht in der Europäischen Union.“ Schuld sei laut Lunacek der Verkehr. Sie möchte daher, dass der Dieselpreis jenem des Benzins angepasst wird. Mittelfristig fordert sie den Ausstieg von fossilen Brennstoffen.

Lunacek tritt auch für einen Mindestlohn von 1.750 Euro ein. Dieser sei gerade für Frauen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, wichtig. Ebenso die 35-Stunden-Woche ist ihr ein Anliegen. Damit sollen die Fälle von Burn-out reduziert, die Work-Life-Balance gestärkt, mehr Arbeitsplätze geschaffen und eine höhere Effizienz beim Arbeiten erzielt werden. Lunacek: „Die letzte Arbeitszeitverkürzung gab es in den 70er-Jahren. In dieser Zeit hat sich technologisch viel verändert.“

In puncto Bildung sei Wien schon jetzt eine der Vorzeigestädte, meint Lunacek. Besonders hob sie das verpflichtende Kindergartenjahr und die Modellregionen für die Zehn- bis 14-Jährigen hervor - mehr dazu in Gesamtschule: Häupl pocht auf Modellregion.

Zuspätkommen ihre „größte Schwäche“

Sie ist die einzige Frau unter den Spitzenkandidaten. Lunacek sieht das „tendenziell eher“ als Vorteil. „Es geht mir politisch schon darum, auch dafür zu sorgen, dass Frauen mehr in der Gesellschaft zu sagen haben in Führungspositionen. Insofern sind das auch die, die ich gerne ansprechen möchte, aber auch Männer, die das sinnvoll finden, dass es mehr an Gleichberechtigung gibt.“

Lunacek hat das Veranstaltungszentrum Europahaus in der Linzer Straße in Penzing als Lieblingsplatz in Wien für das Interview ausgesucht. „Es ist ein Ort, wo Europa, schon länger als Österreich bei der EU ist, ein Thema ist. Eine meiner ersten Erinnerungen an einen Ball in Wien war hier, es muss Ende der 1970er Jahre gewesen sein. Veranstalter war eine Austauschorganisation, mit der ich selbst einmal ein Jahr in den USA war“, sagt Lunacek über ihre Ortswahl.

„Oft einfach viel zu viel“

Lunacek wird von Freunden sowie Kolleginnen und Kollegen als „notorische Zuspätkommerin“ beschrieben. „Ja, das ist eine meiner Schwächen, wenn nicht überhaupt die größte. Ich bin ja meist mit dem Fahrrad unterwegs und glaube immer, ich bin ganz schnell, aber das funktioniert nicht so, wie ich mir das vorstelle. Es sind Ampeln dazwischen, dann ruft noch jemand an. Ich versuche Dinge, die ich noch tun will, nach hinten zu verschieben, weil sich sonst der nächste Termin nicht ausgeht. Aber es ist oft einfach viel zu viel, wo ich denke, das muss ich jetzt noch erledigen“, sagt Lunacek.

Das Radio-Wien-Interview mit Ulrike Lunacek zum Nachhören:

Nach Politik „würde ich gerne Bücher übersetzen“

Morgenmensch ist die grüne Spitzenkandidatin, die aber nicht Parteichefin ist, keiner. Früh aufstehen, „mag ich nicht gerne“. Aber wenn es sein müsse, dann gehe es auch. Zum Frühstück mag Lunacek „Müsli, schon lange bevor ich bei den Grünen war. Ich mag Joghurt und Obst gerne zum Frühstück, sonst Käse und Schinken, wenn es ums Brot geht.“ Auf dem Smartphone verwendet Lunacek unter den Apps am häufigsten WhatsApp. Lunacek ist ausgebildete Dolmetscherin. Gefragt, ob sie sich einen Ausstieg vorstellen kann, meinte sie: „Wenn ich einmal von der Politik aufhöre, würde ich gerne Bücher übersetzen, das würde mich reizen“.

Spitzenkandidaten persönlich und politisch

Rund fünf Wochen vor der Nationalratswahl sind die Spitzenkandidaten an ihren Lieblingsplätzen in Wien zu erleben. Zunächst im persönlichen Talk auf Radio Wien, in „Wien heute“ dann im politischen Interview - mehr dazu in Spitzenkandidaten an ihren Lieblingsplätzen.

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