„Hunderte Pyromanen“ beim Tierschutzhaus

Von „hunderten Pyromanen“ in der Silvesternacht und verstörten Tieren spricht das Tierschutzhaus in Vösendorf. Es gibt auch Kritik an der Polizei, die die Vorwürfe am Dienstag zurückgewiesen hat.

Beim Wiener Tierschutzhaus in Vösendorf ist es laut Präsidentin Madeleine Petrovic in der Silvesternacht zu massiven Störungen gekommen. „Hunderte Freizeit-Pyromanen“ haben sich laut Petrovic um das Gelände versammelt. „Auf benachbarten Grundstücken und Parkplätzen wurden regelrechte Feuerwerksbatterien aufgebaut und im wahrsten Sinne des Wortes aus allen Rohren gefeuert“, so Petrovic in einer Aussendung am Montag.

„Viele unserer Schützlinge, insbesondere Hunde, sind auch heute noch derart verstört, dass sie selbst vor unserem Pflegepersonal, das sie gut kennen panische Angst haben. Das Training und die Arbeit von Monaten ist zerstört“, so Petrovic.

Tierschutzverein

WTV

Aufregung um Silvesterknaller beim Tierschutzhaus

Streit um Einsätze

Petrovic kritisierte auch die Polizei, weder Beamte aus Wien noch aus Mödling seien aber zu Hilfe gekommen. „Die WTV-Mitarbeiter sowie die ehrenamtlichen Helfer, die jedes Jahr an Silvester im WTV den Tieren etwas vom dem Stress zu nehmen versuchen, konnten somit nur hilflos zusehen, wie die Tiere Höllenqualen litten“, so Petrovic.

Die Landespolizeidirektion Niederösterreich hat die Darstellung von Petrovic am Dienstag dementiert. Es hätten sich nicht „Hunderte Freizeit-Pyromanen“ rund um das Gelände des Tierschutzvereins versammelt. „Vehement“ zurückgewiesen wurde das „vermeintliche polizeiliche Niemandsland“.

Im Zusammenhang mit Böllerschüssen beim Tierschutzverein seien drei Anzeigen eingegangen, teilte Polizeisprecher Johann Baumschlager am Dienstag mit. In allen Fällen seien Streifen entsandt worden. Die erste Anzeige zu Silvester am Nachmittag sei von Petrovic selbst erstattet worden. Es seien keine Übertretungen nach dem Pyrotechnikgesetz festgestellt worden. WTV-Mitarbeiter hätten ausgesagt, nichts von Böllern bemerkt zu haben.

Petrovic kritisiert Polizei

Die Tierschutzvereins-Präsidentin Madeleine Petrovic spricht gegenüber „Wien heute“ von mangelhafter Unterstützung durch die Polizei.

Polizei: Gegenseitige Unterstützung Wien-NÖ

Nach einer zweiten Anzeige kurz vor Mitternacht sei Kontaktaufnahme mit WTV-Verantwortlichen erfolglos geblieben. Das Areal sei versperrt gewesen, so Baumschlager. Beamte hätten „mittleren bis starken Pyrotechnikeinsatz“ in der Umgebung des Tierheims auf Vösendorfer Gebiet, aber keine Übertretungen festgestellt.

Einer dritten Anzeige vom Montagnachmittag, wonach auf einem Nachbargrundstück Kracher abgeschossen würden, sei ebenso nachgegangen worden. Bei der überprüften Örtlichkeit habe es sich um ein Mehrparteienhaus auf Wiener Gebiet gehandelt, so Baumschlager.

Die Polizei sei somit „dreimal vor Ort“ gewesen, betonte der Sprecher. In keinem der Fälle seien „Hunderte Freizeit-Pyromanen“ angetroffen worden. Ob um Mitternacht auch ins Tierheim hineingeschossen wurde, habe nicht festgestellt werden können, weil eben keine Mitarbeiter mehr angetroffen worden seien. Von polizeilichem Niemandsland könne keine Rede sein. Wenn notwendig, gebe es gegenseitige Unterstützung aus Niederösterreich für Wien und umgekehrt, hielt Baumschlager fest.

Hund im Tierschutzhaus Wien

ORF

Bei zahlreiche Tieren ist die Arbeit von Monaten zerstört, heißt es vom Wiener Tierschutzverein

Petrovic: „Animosität der Behörden“

Auf die Ausagen der Landespolizeidirektion Niederösterreich reagierte wiederum Petrovic mit einem Dementi, sie sprach von einer „Animosität der Behörden“, die „in keiner Weise nachvollziehbar“ und „sehr traurig“ sei. "Die aktuelle Stellungnahme der Exekutive ist für uns sehr enttäuschend, da wir sonst eigentlich immer ein ausgezeichnetes Verhältnis mit den Beamtinnen und Beamten der Polizei haben und sie uns in unserer täglichen Arbeit massiv unterstützen“, so Petrovic.

Die Angaben der Polizei, der WTV habe in seinen Angaben schlicht übertrieben und es hätten sich nicht hunderte Feierwütige rund um das WTV-Gelände versammelt, nannte Petrovic „mehr als befremdlich“: „Es war fast so, als würden die Leute zu einem Konzert wandern. Natürlich waren auch wir mit dieser Situation schlicht überfordert, denn so etwas ist bisher noch nie vorgekommen.“

Sachbeschädigungen in ganz Wien

Die Feuerwehr verzeichnete in der Silvesternachat Einsätze unter anderem wegen zahlreicher Zimmerbrände, in Brand geratener Pkw, Müllbehälter und Gestrüppe sowie mehrerer Unfälle. Insgesamt rückten Feuerwehr und Rettung in der Silvesternacht zu rund 260 beziehungsweise zu rund 470 Einsätzen aus. Die Polizei griff im gesamten Wiener Stadtgebiet 126 Mal wegen Lärmerregung, 387 Mal wegen verbotener pyrotechnischer Gegenstände und 57 Mal wegen Bränden ein - mehr dazu in 4.247 Polizeieinsätze in Wien und Böller zerfetzte rechte Hand.

Zu massiven Sachbeschädigungen kam es auch auf der Schmelz, dort wurden Papierkörbe und Telefonzellen durch Knallkörper erheblich beschädigt.