Stefan Herheim übernimmt Theater an der Wien

Der norwegische Regisseur Stefan Herheim übernimmt das Theater an der Wien - allerdings erst mit der Saison 2022/23. Die Musicalsparte der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) wird indes weiterhin von Christian Struppeck geführt.

Im Metier der Intendanten mag Stefan Herheim als künftiger Chef des Theaters an der Wien ein Neuling sein - aber einer mit Erfahrung. Schließlich ist der gefeierte Opernregisseur im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen ausgebildeter Musiker. So kann der Norweger auf eine Ausbildung als Cellist zurückblicken.

Geboren am 13. März 1970 in der Hauptstadt Oslo als Sohn einer deutschen Mutter und eines norwegischen Vaters, war der junge Herheim zunächst am Opernhaus und der Opernhochschule seiner Heimatstadt tätig, bevor er mit seinem eigenen Marionettentheater sein erstes Erfolgsprojekt startete.

Stefan Herheim, neuer Leiter Theater an der Wien
APA/Herbert Neubauer
Stefan Herheim: Neuling als Intendant, Routinier als Regisseur

„Neuling mit Erfahrung“

Mit der Puppencompagnie unternahm er viele Gastspielreisen, ehe er 1994 in Hamburg sein Studium der Musiktheaterregie bei Götz Friedrich antrat. Dies schloss Herheim mit seiner Inszenierung der „Zauberflöte“ 1999 ab - und erarbeitete sich fortan in Rekordzeit den Ruf als einer der gefragtesten Regisseure seiner Generation.

Nicht zuletzt ist Österreich dabei eines der zentralen Arbeitsfelder für den Musiktheatermacher, dessen polarisierende Deutungen von Barock bis zum zeitgenössischen Repertoire Freund und Feind selten kalt lassen. So inszenierte der Wahlberliner in der gesamten Republik. Bei den Salzburger Festspielen brachte er etwa 2003 Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ heraus - sein erster großer internationaler Erfolg. 2013 folgte an der Salzach eine auf Miniaturwelt geschrumpfte „Meistersinger“-Inszenierung.

Routinier als Regisseur

In Linz legte er 2001 Wagners „Tannhäuser“ oder 2003 Verdis „Don Carlos“ vor, in Graz 2006 die „Carmen“ und 2012 die „Manon Lescaut“, an der Wiener Volksoper 2004 die „Madama Butterfly“. Bei den Bregenzer Festspielen bot er zuletzt 2015 einen grandios-ordinären „Les contes d’Hoffmann“.

Aber auch international feierte der Regisseur, der 2002 für seine Produktion von „I puritani“ am Aalto-Theater in Essen den Götz-Friedrich-Preis erhielt, Erfolge. Sein „Parsifal“ wurde 2008 bei den Bayreuther Festspielen am Grünen Hügel bejubelt, 2010 wurde Herheim zum Hauptregisseur an der Semperoper in Dresden berufen. Wagner lässt den Vielarbeiter dabei nicht los - so ist ab 2020 an der Deutschen Oper Berlin eine Neuinszenierung des „Rings des Nibelungen“ angesetzt.

„Aber vielleicht werde ich auch mal erwachsen“

Nur wenige renommierte Häuser im deutschen Sprachraum können mittlerweile nicht auf eine Arbeit Herheims zurückblicken - das Theater an der Wien gehört bis dato noch dazu. Das wird sich ab 2022 jedoch ändern. Schließlich dürfte sich der passionierte Regisseur auch künftig nicht alleine mit dem Intendantensessel zufriedengeben, sondern bisweilen auf den Regiestuhl wechseln.

Vor zwei Jahren hatte Herheim anlässlich seiner Inszenierung bei den Bregenzer Festspielen noch gestanden, Angst vor den Dimensionen der Seebühne zu haben: „Aber vielleicht werde ich auch mal erwachsen.“ Spätestens in viereinhalb Jahren scheint dem künftigen Musiktheaterchef die Adoleszenz nun ins Haus zu stehen.

Christian Struppeck bleibt VBV-Musicalchef

Und er bleibt doch: Nachdem ursprünglich sogar eine gemeinsame Führung von Theater an der Wien und der Musicalsparte der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) im Raum stand, gibt es nun zum Teil personelle Konstanz. Christian Struppeck, seit 2012 Musicalintendant der VBW, bleibt weitere fünf Jahre im Amt. Der Theatermacher geht damit am Ronacher und Raimund Theater in die Verlängerung.

Vom Timing her passt es jedenfalls, hat Struppeck doch mit dem Rainhard-Fendrich-Musical „I Am From Austria“, das wie so viele seiner Produktionen von Andreas Gergen inszeniert wurde, einen Hit gelandet. Erst jüngst ließ man verlautbaren, dass Songs wie „Macho Macho“ noch bis ins Frühjahr 2019 von der Bühne schallen werden. Es war allerdings nicht alles ein Erfolg, was Struppeck als Nachfolger der heutigen ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner zur Wiener Musicalszene beisteuerte.

Christian Struppeck, Musiker Reinhard Fendrich und Autor Titus Hoffman
APA/Herbert Neubauer
„I am from Austria“ sorgt für hohe Besucherzahlen

Mit „I am from Austria“ Hit gelandet

Geboren wurde der deutsche Musicalmacher am 16. Dezember 1968 in Berlin. Im Laufe seiner Karriere arbeitete Struppeck als Autor und Übersetzer und schrieb unter anderem die musikalische Komödie „Wochenend und Sonnenschein“. Von 2000 bis 2002 fungierte Struppeck als Geschäftsführer der Toys Musicalproduktion. Dabei brachte er Stücke wie „Little Shop of Horrors“ oder „Piaf“ auf die Bühne.

Direkt im Anschluss folgte sein Engagement als künstlerischer Direktor und Leiter der deutschen Kreativabteilung des VBW-Konkurrenten Stage Entertainment, das bis 2008 dauern sollte. In diese Zeit fielen nicht weniger als 23 Großproduktionen auf Deutsch, darunter „Cats“, „Les Miserables“, „Tanz der Vampire“ oder „Titanic“. Gemeinsam mit Gergen, mit dem er 2009 die „Creative Agency“ in seiner Heimatstadt Berlin gegründet hatte, kreierte er außerdem die Musicalversion des Kinohits „Der Schuh des Manitu“.

Gebürtiger Berliner schon länger in Österreich

In Österreich war Struppeck schon vor seinem VBW-Einsatz immer wieder tätig, vor allem auch mit seinem Partner Gergen, der bis zum heurigen Sommer Operndirektor am Salzburger Landestheater war. Der deutsche Landsmann von Struppeck zeichnete auch für zahlreiche Inszenierung der VBW verantwortlich, neben „I Am From Austria“, „Don Camillo & Peppone“ oder „Der Besuch der alten Dame“. Letzteres war aber auch ein Beispiel für die oft schwierige Situation am Musicalsektor, fiel die Adaption des Dürrenmatt-Klassikers beim Publikum doch ebenso durch wie „Natürlich blond“.

Nun hat der 49-jährige Struppeck, der seine Ausbildung als Schauspieler und Sänger an der renommierten Schauspielschule des Theaters an der Wien unter Leitung von Peter Weck erhielt, jedenfalls weitere fünf Jahre Gelegenheit, musicaltaugliche Stoffe auf die Bühne zu bringen. Der neue Vertrag gilt ab der Saison 2020/21.

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