Filmmuseum zeigt Aufnahmen aus KZs

Noch bis Donnerstagabend zeigt das Filmmuseum rohes Filmmaterial, das Kameraleute der Alliierten unmittelbar nach der Befreiung in NS-Konzentrationslagern aufgenommen haben. Die Filme wurden in Österreich teilweise noch nie öffentlich gezeigt.

„Was man in diesem Filmen sieht, ist für uns heute noch immer kaum zu verkraften“, sagt Alexandra Thiele vom Filmmuseum. Nach der Befreiung der Konzentrationslager im Mai 1945 waren amerikanische, britische und sowjetische Kameraleute unterwegs und dokumentierten das Grauen. Diese Bilder prägten die Vorstellung des Holocaust nachhaltig: „die Berge von Schuhen, Brillen und Haaren der Opfer in Auschwitz, die Zeichnungen auf der Haut der Ermordeten in Buchenwald, die ausgemergelten Körper der Toten in Bergen-Belsen, die von einem Bulldozer haufenweise in Massengräber geschoben werden“, heißt es in der Ankündigung des Filmmuseums.

Signal Corps Kameramann
Foto: National Archives and Records Administration
Ein Signal-Corps-Kameramann in Deutschland

Wie wurde mit den Bildern umgegangen?

„Es ist der Versuch, die Verbrechen zu visualisieren und zu hinterfragen, wie man mit den Bildern umgegangen ist“, sagt Thiele. Das Filmmaterial spielte eine zentrale Rolle dabei, wie man sich die Verbrechen vorgestellt hat. Meist ist das Wissen darüber, wie die Bilder entstanden sind, nicht oder kaum vorhanden.

Daher findet am Donnerstag und Freitag eine Tagung des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften (IFK) statt. Dabei sollen Antworten auf Fragen gesucht werden wie: „Was sehen wir, wenn wir die Bilder betrachten, die alliierte Kameraleute in den Lagern aufgenommen haben? Und was hat man zu verschiedenen Zeitpunkten in unterschiedlichen Kontexten in ihnen gesehen? Was konnte man nicht sehen, weil die Kameras zu spät kamen, weil Equipment und Training der Kameraleute mangelhaft waren, weil die Bilder in kein Narrativ passten oder aus anderen Gründen in Archiven und privaten Sammlungen verschwunden waren?“

Konzentrationslager
USHMM
Joseph Schleifstein, Vier Jahre alt, Überlebender im KZ Buchenwald

Konzentration auf Rohmaterial

„Bilder der Befreiung“ besteht aus acht Programmen und rund 25 Filmen, die zum Großteil erstmals in Österreich zu sehen sind – mit Einführungen von Barbara Glück, Marsha Gordon, Toby Haggith, Jeremy Hicks, Stuart Liebman, Drehli Robnik, Leslie Swift, Lindsay Zarwell und Ingo Zechner. Am Mittwoch sind Bilder aus dem Lager Ebensee zu sehen. Das Lager wurde am 6. Mai 1945 befreit.

Sendungshinweis:

„Wien heute“, 29.4.2015

Die Schau zeigt diese Filme in ihren unterschiedlichen Kontexten, kontrastiert und ergänzt durch vergessene und verworfene Bilder aus geheimen und gescheiterten Filmproduktionen sowie durch private Aufnahmen aus Amateurfilmen. Damit steht das ungeschnittene Rohmaterial („Footage“) und nicht der fertige Film im Mittelpunkt. Die Schau wurde von Ingo Zechner konzipiert und ist eine gemeinsame Veranstaltung des IFK und des Filmmuseums in Kooperation mit dem U.S. Holocaust Memorial Museum und dem Zukunftsfonds-Projekt „Ephemere Filme: Nationalsozialismus in Österreich“.

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