Facebook-Trinkspiel einfach nur Spaß?

Harmloser Spaß oder gefährlicher Trend: Immer mehr Jugendliche posten Videos auf Facebook, die sie beim Biertrinken zeigen. Wiener Suchtexperten sowie Karriereberater warnen jetzt vor den Folgen des viralen Trinkspiels „Biernominierung“.

Die Regeln des „Biernominierung“-Spiels sind einfach: Jeder Teilnehmer muss einen halben Liter Bier auf ex trinken, sich dabei filmen, das Video auf Facebook stellen und drei weitere Freunde nominieren, innerhalb von 24 Stunden dasselbe zu tun. Wer kneift, muss dem Herausforderer eine Kiste Bier bezahlen. Dieser virale Trend ist ausgehend von Großbritannien vor einigen Tagen auch in Wien angekommen und erhält große Zustimmung auf Facebook und YouTube.

Bier in der Badewanne

Das Trinkspiel fordert Teilnehmer dazu auf, ihr Bier möglichst kreativ zu trinken. Das scheint auch den Reiz dieses Spiels auszumachen. Denn seither kursieren Videos im Internet, die Jugendliche zeigen, wie sie Bier am Skateboard, am Klo oder in der Badewanne trinken, wie sie sich um 6.00 Uhr ein „Guten-Morgen-Bier“ oder während der Arbeitszeit ein „Pausenbier“ gönnen.

In Irland soll laut „Irish Mirror“ bereits ein Jugendlicher verunglückt sein, weil er ein spektakuläres „Neknomination“-Video an einem Fluss drehen wollte. Seitdem werden auch kritische Stimmen und Gegenbewegungen zur „Neknomination“ bzw. „Biernominierung“ laut.

Medizinisch kein Problem

„Es ist weder vernünftig noch ratsam ein Bier auf ex zu trinken bzw. bei diesem Trinkspiel mitzumachen“, so Hans Haltmayer, Beauftragter für Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien. Haltmayer ist es wichtig, dass Jugendlichen eine Risikokompetenz vermittelt wird und sie darüber informiert werden, welche Bedeutung es beispielsweise für den aktuellen Arbeitsprozess haben kann, wenn solche „Exzesse“ öffentlich gemacht und auf ein soziales Medium gestellt werden.

„Aus medizinischer Sicht besteht nach dem Konsum eines halben Liters Bier keine akute Gesundheitsgefährdung, weil die Menge an reinem Alkohol zu gering ist“, so Haltmayer. Er weist jedoch darauf hin, dass sich auch durch ein Krügerl Bier ein Rauschzustand entwickelt, der zu Risiko- und Gefahrensituationen führen kann. Deshalb sollten Teilnehmer des Spiels trotz der 24-Stunden-Frist den Zeitpunkt des Bierkonsums bedacht wählen. Haltmayer: „Es ist nicht ratsam, vor der Arbeit oder der Schule oder bevor man am Straßenverkehr teilnimmt, Alkohol zu trinken.“

Bierspiel als Karrieregefahr

Auch der Wiener Karrierecoach Sonja Rieder rät Personen, die an einem „soliden Job außerhalb der Unterhaltungsbranche“ interessiert sind, von diesem Spiel ab. Rieder: „Das Internet ist zu transparent für derartige Offenbarungen und es vergisst nicht leicht. Auch Vorgesetzte und potentielle Arbeitgeber recherchieren regelmäßig im Internet, um Hintergrundinformationen über Personen ausfindig zu machen.“

Eine ähnliche Meinung vertritt Christoph Weissenböck vom Onlineportal „karriere.at“: „Grundsätzlich ist während Bewerbungsprozessen eher davon abzuraten, sich mit seiner Online-Reputation auf diese Weise zu profilieren. Tut man dies trotzdem, sollte man seine Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook jedenfalls im Griff haben.“

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Krapfen oder Spenden als Alternative

Über 3.500 Fans hat die deutschsprachige „Biernominierung“-Seite derzeit auf Facebook. Die Betreiber betonen den Spaßfaktor und weisen darauf hin, dass Minderjährige vom Bierspiel ausgeschlossen sind, aber sich gerne mit einer antialkoholischen Variante mit „Wasser oder Milch“ beteiligen dürfen, denn das sei ebenfalls „wirklich cool“. Aber auch bei den älteren Generationen wird bereits nach Alternativen für das Bierspiel gesucht.

Die Facebook-Initiative „ChangeNomination“ wirbt beispielsweise dafür, statt ein Bier zu trinken lieber innerhalb von 48 Stunden eine gute Tat zu vollbringen. Diese soll man ebenfalls per Video dokumentieren und danach drei Freunde nominieren. Ein ähnliches Ziel verfolgt die Seite „Kindness Nomination“, die bereits über 5.000 Fans zählt. Der Faschingszeit angepasst gibt es auch schon Gegenbewegungen, die zum „Krapfen exn“ auffordern. Diesem Trend haben sich bereits Promis wie der ehemalige Profifußballer Mario Haas angeschlossen.

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