Demenz: Angehörige brauchen Entlastung

Die Diakonie fordert die Regierung auf, pflegende Angehörige dementer Personen zu entlasten und Unterstützungsangebote auszubauen. Laut Prognosen soll sich die Zahl von Menschen mit Demenz in Österreich bis 2050 verdoppeln.

Der derzeitige „Masterplan Pflege“ der Bundesregierung sei „kein Zukunftsmodell zur Lösung der Pflegefrage“, erklärte Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich, bei einer Pressekonferenz. Schon jetzt pflegen rund 950.000 Menschen ihre Angehörigen zu Hause, womit sie „der größte Pflegedienst im Land“ seien, sagte Moser. Die Hälfte davon ist über 60 Jahre alt und erhält keine formelle Unterstützung durch mobile Dienste, Kurzzeitpflege oder Tageszentren.

Laut Prognosen solle sich die Zahl der derzeit in Österreich mit Demenz lebenden Menschen demografisch bedingt bis 2050 verdoppeln - damit wären 260.000 Menschen von Demenz betroffen. Dennoch sehe der „Masterplan Pflege“ der Bundesregierung keine Finanzierung für den Ausbau professioneller Unterstützung vor und verlasse sich auf Angehörige. „Ihre Kraft ist aber nicht grenzenlos“, gab Moser zu Bedenken.

Stundenweise Betreuung für daheim

Aus Sicht der Diakonie braucht es den Ausbau von niederschwelligen Informations- und Beratungsangeboten für Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Aber auch die stundenweise Betreuung für zu Hause und die Inanspruchnahme von Tageszentren müsse erschwinglicher werden. All das findet sich bereits in der „Demenzstrategie“, die von der vorhergehenden Bundesregierung im Jahr 2015 aufgestellt wurde. „Es wäre wichtig, diese aus der Schublade zu holen und auch umzusetzen“, forderte die Diakonie-Direktorin.

Krankheit führt oft zu Rückzug

„Demente Personen werden emotional feinfühliger“, erklärte Heike Schönbacher, Pflegedienstleiterin eines Seniorenheims der Diakonie in Graz. Wichtig wäre deshalb, ruhig mit ihnen zu kommunizieren. „Angehörige gehen manchmal stark in ihrer Rolle als Pfleger auf, sodass sie mitunter vergessen, auf sich selbst zu achten“, sagte Schönbacher. Auf Dauer sei das aber nicht zu verkraften, wodurch das Verhältnis zur dementen Person in Mitleidenschaft gezogen werde.

„Die Suche nach Informationen und die Inanspruchnahme von Unterstützung in einem frühen Stadium der Demenz kann dabei helfen, viele Schwierigkeiten zu ersparen“, erklärte die Pflegeexpertin. Derzeit sei die Krankheit in unserer Gesellschaft aber noch scham- und angstbesetzt, was oft zu Rückzug führe.

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