Heldenplatz-Krypta: Start zur Umgestaltung

Mit dem Abbau von Vitrinen und dem elektronischen Gedenkbuch für Gendarmerie und Polizei sind erste Schritte für die Umgestaltung der Krypta auf dem Heldenplatz gesetzt worden. Die Historikerin Heidemarie Uhl sieht einen „starken symbolischen Akt“.

Neben dem Abbau der Vitrinen wurden auch Kränze und Kranzschleifen sowie Gedenktafeln der Vereine und die Abbildung des Staatsvertrags entfernt. Die Totengedenkbücher werden derzeit im Verteidigungsministerium zwischengelagert, sie sollen an das Kriegsarchiv weitergegeben und dort wissenschaftlich untersucht werden. Eine erneute Präsentation in der Krypta ist nicht vorgesehen.

Die Krypta am Wiener Heldenplatz
APA/Robert Jäger

Konzept für Umgestaltung in den nächsten Wochen

Jedes Jahr legen Bundespräsident und Bundesregierung am 26. Oktober in der Krypta Kränze nieder, um den Gefallenen der Weltkriege zu gedenken. „Ziel ist es, ein würdevolles Gedenken an die Opfer der Weltkriege und des Faschismus zu ermöglichen“, so Stefan Hirsch, Pressesprecher von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ).

Dazu soll die Militärhistorische Denkmalkommission unter der Leitung des Historikers Dieter Binder von der Universität Graz in den kommenden Wochen ein Konzept für die Umgestaltung vorlegen. Auch Burghauptmannschaft und Bundesdenkmalamt werden einbezogen. Dabei geht es aufgrund des denkmalgeschützten Außenbereichs von Krypta und Weiheraum vor allem um die Umgestaltung der Innenräume.

Auch nach der Entfernung von Kränzen und Totengedenkbüchern bleibt die Krypta für die Öffentlichkeit zugänglich, nur in der Zeit der Untersuchung des Toten Soldaten ist sie geschlossen. Am 26. Oktober werde die Kranzniederlegung zum ersten Mal sicher ohne zweifelhafte Bezüge zum NS-Regime stattfinden, so Hirsch. Die Umgestaltung unter der Leitung der Denkmalkommission werde in mehreren Schritten erfolgen, die noch über den Nationalfeiertag hinausgehen.

Historikerin sieht „symbolischen Akt“

Mit der Streichung eines Kriegsverbrechers aus den Totengedenkbüchern in der Krypta hatte Darabos den ersten Schritt zur Umgestaltung des „Heldendenkmals“ gesetzt - mehr dazu in Krypta: Darabos strich SS-Kriegsverbrecher.

Diese Neugestaltung beurteilt die Historikerin Heidemarie Uhl vom Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften als „starken symbolischen Akt“. Sie plädierte jedoch eher für eine historisierende und kommentierende Form der Umgestaltung statt eines kompletten Umbaus: „Es wäre Unfug, das komplett umzugestalten. Damit würde man sich die Chance vergeben, das zu einem Lernort zu machen.“

Das Äußere Burgtor sei die einzige Gedenkstätte der Republik, alle anderen gehören Stadt oder Gemeinden und wurden meist auf Initiative von Vereinen oder Religionsgemeinschaften gegründet. Daher sei es umso wichtiger, hier eine angemessene Gedenkstätte zu schaffen, die allen Opfergruppen gewidmet ist: „Die Frage ist auch, wie kann man den Ort so neu definieren und gestalten, dass er nicht mehr instrumentalisiert werden kann und eine Identifikation mit der deutschen Wehrmacht, in der Form wie sie heute geschieht, nicht mehr passieren kann.“

Historikerin Heidemarie Uhl bei einem Interview vor der Krypta am Heldenplatz
APA/Robert Jäger
Heidemarie Uhl sieht einen „symbolischen Neuanfang“

Dabei gehe es nicht nur um die Krypta, sondern auch um den 1965 neu eröffneten Weiheraum, der in einer Inschrift den „Opfern für Österreichs Freiheit“ gedenkt. Damals sei der Widerspruch zwischen Gedenken an gefallene Soldaten und ermordete Widerstandskämpfern viel bewusster gewesen, erklärt Uhl. „In den 50er und 60er Jahren war allen klar, wie heiß dieser Ort ist. Dann versank das Heldendenkmal im Dornröschenschlaf.“

Aus diesem Schlaf erwache das „Heldendenkmal“ nur einmal im Jahr - zur Kranzniederlegung des Bundespräsidenten und der Bundesregierung am 26. Oktober. Erst mit dem „Totengedenken“ der Burschenschafter habe die Diskussion wieder an Fahrt und eine gewisse Eigendynamik gewonnen, meint Uhl. Dabei sei auch die Geschichte um die angebliche nationalsozialistische Lobschrift im Denkmal in der Forschung schon lange bekannt gewesen.

Einbindung von Deserteursdenkmal „sinnvoll“

Für im Zuge der Umgestaltung möglich hält die Historikerin auch eine Einbindung des vieldiskutierten „Deserteursdenkmal“ für die Opfer der NS-Militärjustiz in die bereits bestehende Gedenkstätte im Äußeren Burgtor: „Das würde ich eigentlich sehr sinnvoll finden. Es wäre ein wichtiges Zeichen, dass es ein gemeinsames Gedenken gibt. Auch für jene Soldaten, die ermordet wurden, weil sie sich gegen Hitlers Krieg zur Wehr gesetzt haben.“

Momentan sind fünf mögliche Standorte für das „Deserteursdenkmal“ im Gespräch: der Heldenplatz, der Ballhausplatz, der Julius-Raab-Platz bei der Urania, der Grete-Rehor-Park zwischen Parlament und Justizpalast und die Rossauer Lände - mehr dazu in Deserteursdenkmal: Burghauptmann wartet ab.

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