City: Stenzel gescheitert, Duell SPÖ-ÖVP

Bei der Bezirksvertretungswahl im ersten Bezirk ist die amtierende Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel, die als unabhängige Kandidatin für die FPÖ antrat, gescheitert. Die SPÖ führt hauchdünn vor der ÖVP. Die Wahlkarten werden entscheiden.

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Ohne Wahlkarten erreicht die SPÖ bei der Bezirksvertretungswahl in der Inneren Stadt 24,94 Prozent (+1,5), die ÖVP 24,39 (-13,56), die FPÖ mit Stenzel 19,62 (+9,32), die Grünen 15,77 Prozent (-2,6) und NEOS 9,31 Prozent. Damit ist das Rennen um die Bezirksvorstehung noch offen, die Wahlkarten fehlen noch. Fix ist aber, dass Stenzel nicht mehr Bezirksvorsteherin in der City sein wird. Sie dürfte in den Gemeinderat wechseln, steht sie doch auf dem dritten Platz der FPÖ-Landesliste. Damit wird entweder Daniela Ecker-Stepp (SPÖ) oder Markus Figl (ÖVP) neuer Bezirksvorsteher in der Inneren Stadt.

Ergebnis 1. Bezirk ohne Wahlkarten
ORF.at/Stadt Wien
Bezirksvertretungwahl Innere Stadt, ohne Wahlkarten

Die Karriere von Ursula Stenzel in der City ist damit beendet: Stenzel, geboren am 22. September 1945 in Wien, lebt seit ihrer Kindheit in der Inneren Stadt. Als Nachrichtensprecherin und Moderatorin des ORF, Korrespondentin und außenpolitische Kommentatorin wurde sie weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Das half Stenzel dann auch bei ihrem Schritt in die Politik: Für die ÖVP trat sie 1996 bei den Europawahlen an und gewann. Bis 2005 war die streitbare Politikerin EU-Abgeordnete und Delegationsleiterin der ÖVP im Europaparlament.

Ursula Stenzel über ihre Rolle in der FPÖ

Die von der ÖVP zur FPÖ gewechselte Ursula Stenzel spricht über ihren Einfluss auf die Zuwächse der FPÖ und will regieren.

2005 wechselte sie die Fronten und zog - parteiintern nicht unumstritten - für die Volkspartei in den Kampf um den Bezirksvorsteher in der Inneren Stadt. Dort konnte sie nicht nur den ersten Platz verteidigen, sondern massiv zulegen. Als City-Chefin war Stenzel polarisierend: So forderte sie etwa ein nächtliches Fahrverbot in der Inneren Stadt, ein Ästhetik-Manifest für die City, wollte Hausbesitzer bei Hitze zwingen, die Gehsteige besser zu reinigen, um Gestank zu vermeiden oder überlegte die Einführung der City-Maut. Rad-Rowdys wollte sie per Nummerntafel zur Vernunft bringen.

Ursula Stenzel
APA/Hochmuth
Ursula Stenzel

Für Stenzel bleibt Sitz im Gemeinderat

Mit anderen Politikern krachte Stenzel dabei immer wieder zusammen. So erklärte etwa Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) nach einem Disput um den Bau einer Garage, mit Stenzel nur noch vor Zeugen reden zu wollen. Auch beim Wiener Partyvolk stieß Stenzel im Streit um Feier- und Clubkultur rund um den Schwedenplatz auf wenig Begeisterung: 2011 wurde ihr sogar der Song „Ursula, stress ned“ - ein Cover von „Barbra Streisand“ von Ducksauce - gewidmet.

In der Gestaltung der Wiener City war mit der heute 69-Jährigen immer zu rechnen: Unter anderem machte sie sich für die Untertunnelung des Schwedenplatzes stark. Auch parteiintern sorgten ihre Ideen mitunter für Debatten: Die Volkspartei sei „zu liberal“ und verschrecke dadurch Wähler, ließ sie Parteifreunde etwa wissen. Als Beispiel nannte sie die Zustimmung der Volkspartei zur eingetragenen Partnerschaft für Homosexuelle. Auch zur Kandidatur des (damaligen, Anm.) Salzburger Jung-VP-Chefs und Muslim Asdin El Habbassi für den Nationalrat äußerte sie sich skeptisch.

Für die Wien-Wahl war sie von der ÖVP schließlich nicht mehr aufgeboten worden: Als schwarzer Spitzenkandidat wurde Markus Figl nominiert, die ÖVP sprach von einem „Generationenwechsel“. Stenzel wechselte flugs und für viele überraschend zur FPÖ - und wird wohl mit einem Gemeinderatssitz vorlieb nehmen müssen. Diesen hat sie fix, da sie auf Platz drei der Landesliste angetreten ist. Allenfalls ist Stenzel noch eine Option für die FPÖ bei der Bundespräsidenten-Wahl.

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