Landesgericht Wien
ORF.at/Zita Klimek
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Chronik

Einweisung nach Attacke auf Mithäftling

Mit einem Messer ist ein 26-Jähriger in der Justizanstalt Josefstadt auf einen Mithäftling losgegangen. Das Gericht wies den Mann am Donnerstag in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ein. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Die Geschworenen gingen davon aus, dass der Mann die Tat, die als versuchter Mord qualifiziert wurde, unter dem Einfluss einer akuten Psychose begangen hatte und damit nicht zurechnungsfähig war. Der 26-Jährige dürfte sich in der Vier-Mann-Zelle mit einem um vier Jahre älteren, ebenfalls aus Ungarn stammenden Zellengenossen nicht gut verstanden haben. Der 30-Jährige sah regelmäßig bis weit in die Nacht hinein fern, während die anderen Insassen schlafen wollten.

Am 22. Mai 2020 kam es deswegen zu einem Streit. Der 26-Jährige stach schließlich dem Kontrahenten ein Buttermesser in die Leiste und in den Arm, nachdem er – wie die Staatsanwältin betonte – die Waffe noch an Fliesen angeschärft hatte. Dabei soll der Angreifer „Ich muss ihn töten, ich muss ihn erstechen!“ gerufen haben. Die zwei Mitgefangenen kamen dem Angegriffenen zu Hilfe und alarmierten die Justizwache, so dass die Attacke glimpflich verlief. Der 30-Jährige kam mit leichten Verletzungen davon.

„Ich habe Angst bekommen“

Dennoch wäre die Sache als versuchter Mord angeklagt worden, hätte ein von der Justiz eingeholtes psychiatrisches Gutachten nicht ergeben, dass der Angreifer an einer schweren psychischen Störung leidet. Aufgrund einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis bescheinigte ihm der Sachverständige Siegfried Schranz Zurechnungsunfähigkeit im Tatzeitpunkt.

Verteidigerin Veronika Ujvarosi betonte, ihr Mandant sei keineswegs gefährlich, es gebe daher keinen Grund für eine Einweisung in den Maßnahmenvollzug. „Er wollte ihn nie umbringen. Das, was passiert ist, war nur eine Körperverletzung.“ Der 30-Jährige habe sich in der Zelle als „Chef“ geriert, weil er wegen Mordes einsaß. Als sich der jüngere Gefangene über den lauten Fernseher beschwerte, habe der 30-Jährige sich wieder dieses Mordes gerühmt und dem Zellengenossen beschieden, der „nächste“ (gemeint: Mord, Anm.) komme noch.

„Ich habe Angst bekommen“, berichtete der 26-Jährige dem Schwurgericht. Er habe befürchtet, sobald er schlafe, werde ihn der 30-Jährige umbringen. Er habe diesem nämlich kurzerhand den Fernseher abgedreht: „Das hat ihm nicht gefallen.“