chronik

Drei Stiche gegen Freund: Zwei Jahre Haft

Zu zwei Jahren Haft ist eine 20-jährige Frau verurteilt worden, die im Mai mit einem Messer auf ihren Freund eingestochen haben soll. Sie plädierte auf Notwehr. Ihr Freund habe sie an den Haaren durch die Wohnung gezogen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Geschworenen bejahten die Hauptfrage nach versuchtem Mord einstimmig, werteten aber die Maßnahme, dass die Frau mit dem Zustechen aufgehört habe, als er ihre Haare los ließ, allerdings als Rücktritt vom Versuch. Deshalb kam die Eventualfrage nach absichtlicher schwerer Körperverletzung zu tragen, die von allen acht Geschworenen mit Ja beantwortet wurde. Die Beschuldigte nahm das Urteil an. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

„Toxische Beziehung“

Die zum Tatzeitpunkt 19-jährige Slowakin war mit 15 Jahren nach Österreich gekommen, weil sie nach Misshandlungen ihres Stiefvaters von Zuhause weggelaufen war. Sie lernte ihren Freund kennen, beide würden laut Staatsanwaltschaft „aus desolaten Verhältnissen“ stammen. Sie sprach von einer „toxischen Beziehung“. Laut dem Verteidiger der 20-Frau sei der Afghane nicht nur sehr eifersüchtig, sondern auch „massiv gewalttätig“ gewesen.

Als laut Staatsanwältin „streng gläubiger Moslem“ hat der Mann am Abend des 1. Mai gemeinsam mit der Frau und einem Mitbewohner das Ende des Ramadan feiern wollen – mit reichlich Alkohol. Dazu wurde eine Whiskeyflasche geöffnet und der Inhalt geleert. „Wir fühlten uns wohl und lachten miteinander“, sagte die Angeklagte. „Wir tranken und sprachen über unsere Zukunft. Wir wollten uns trauen lassen und Kinder haben.“

Beschimpfungen und Schläge

In der Nacht auf den 2. Mai kam es dann zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen dem Paar. „Er hat mich sehr, sehr arg beschimpft“, meinte die junge Frau. Auslöser dürfte gewesen sein, dass der Mitbewohner nicht gemeinsam mit der 19-Jährigen feiern wollte, daraufhin bezeichnete der Freund der Angeklagten die 19-Jährige als „Hure“ und ließ auch kein gutes Haar an der Mutter der Frau.

Als die Frau ihn zur Rede stellte, meinte dieser: „Setz dich hin oder ich werde dich schlagen.“ Sie meinte: „Sag nichts Böses mehr über meine Mutter! Komm doch her und verprügel mich!“ Daraufhin schlug der Mann auf seine Freundin ein, sie schlug laut Staatsanwältin zurück und es kam zu einer Rauferei. Die 19-Jährige holte aus der Küche zwei Messer „mit der Absicht, ihn zu erschrecken“. Der Mitbewohner – der beste Freund des Mannes – schlug ihr jedoch die Waffen aus ihrer Hand.

Zwei Stiche in die Brust

„Da wurde er noch aggressiver, packte mich an den Haaren und zerrte mich in die Küche“, sagte die Beschuldigte, die seit dem Vorfall in Untersuchungshaft sitzt. Bei der Abwasch lag ein weiteres Messer, sie schnappte es sich und stach zu. Am Ende hatte der Mann zwei Stiche in der Brust und am Oberarm einen weiteren Stich. „Ich habe überhaupt nicht gefühlt, das ich ihn getroffen habe.“ Sie habe erst bemerkt, dass ihr Freund verletzt sei, als er ihre Haare losgelassen habe.

Der Prozess um den Mordversuch gestaltete sich schwierig, weil das Opfer und sein Freund als Zeugen aussagen sollten, aber nicht bei Gericht auftauchten. Sie wurden polizeilich vorgeführt. Die beiden widersprachen der Frau und gaben an, dass die damals 19-Jährige das Messer erst nach dem Festhalten geholt und auf den Mann eingestochen haben. Ein dritter Zeuge, der ebenfalls in der Wohnung anwesend war, unterstützte jedoch die Angaben der Angeklagten.

Hilfe für Frauen bei Gewalt

Frauen-Helpline unter 0800-222-555 (kostenlos und rund um die Uhr), 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien unter 01-71719 sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722