Frau in steirischer Tracht
Volkskundemuseum Wien
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Kultur

Volkskundemuseum: Letzte Schau vor Umbau

„Gesammelt um jeden Preis!“ heißt eine neue Ausstellung, in der sich das Volkskundemuseum Wien seit heute mit dem Thema Restitution beschäftigt. Die Ausstellung wird die letzte vor dem Umbau ab Herbst 2024 sein.

Die Schau beleuchte, „warum Objekte durch den Nationalsozialismus ins Museum kamen und wie wir damit umgehen“. Diesen Umgang empfindet zumindest Stephen Mautner, Sprecher der Erben nach Anna Mautner (1879-1961) als vorbildlich, wie er erklärte. Die Sammlung seiner Großeltern steht im Mittelpunkt der Ausstellung, die sich aber auch Grundsatzfragen der Restitution widmet.

Restituiert und zurück geschenkt

Das österreichische Kunstrückgabegesetz gilt international als beispielhaft, umfasst aber nur die Sammlungen der Bundesmuseen. Der Vorstand des als Verein geführten Volkskundemuseums hat 2014 beschlossen, dennoch auch im eigenen Haus das Gesetz zur Anwendung zu bringen und die Dossiers der Provenienzforschung über Objekte der eigenen Sammlung dem Kunstrückgabebeirat zur Beurteilung vorzulegen.

Ausstellungshinweis

„Gesammelt um jeden Preis! Warum Objekte durch den Nationalsozialismus ins Museum kamen und wie wir damit umgehen“, Volkskundemuseum Wien, Wien 8, Laudongasse 15-18, 22.4. bis 26.11., Di bis So: 10-17 Uhr, Do: 10-20 Uhr

600 Objekte wurden seither restituiert, rund 500 davon betreffen die volkskundliche Sammlung von Konrad und Anna Mautner. Warum sich diese weiterhin im Volkskundemuseum befinden, erklärte der aus den USA angereiste Stephen Mautner bei einer Presseführung. Die Kontaktnahme durch das Museum habe ihn und seine Cousins völlig überrascht. Die Auseinandersetzung mit der Sammlung der von den Nazis vertriebenen Großeltern, die 1938 zunächst beschlagnahmt und in der Folge zu einem nicht angemessenen Preis erworben wurde, habe sie auch in die eigene Familiengeschichte zurückgeführt.

Das Verhalten des Museums sei vorbildlich gewesen und habe die Erben rasch davon überzeugt, dass es das Beste sei, die Objekte nach der Restitution dem Volkskundemuseum zu schenken – zumal die Familie Mautner bereits seit seinen Urgroßeltern eng mit dem Museum verbunden gewesen sei. „Wir müssen mit unserem ganzen heutigen Wissen in die Zukunft blicken. Es ist niemals zu spät, das Richtige zu tun!“

Fotostrecke mit 7 Bildern

„Sonntag in Gössl“
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Frau in steirischer Tracht
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Positiv (vor 1924) aus der Sammlung von Anna und Konrad Mautner
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Konrad Mautner
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Konrad Mautners Schwester Marie Kalbeck in „alter Gössler Tracht“
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Anna Mautner
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Bildmontage einiger Positive (vor 1924) aus der Sammlung von Anna und Konrad Mautner
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Volksleben vor allem im Salzkammergut

In der Sammlung befinden sich Forschungsunterlagen, Bekleidung und Trachtenabbildungen, Schützenscheiben, Liedtexte, Möbel, Pfeifen und Pfeifenköpfe sowie Fotografien vom „Volksleben“ vor allem im Salzkammergut. Die Objekte werden nun fast zur Gänze ausgestellt und in den Kontext der Sammlungsgeschichte sowie der Gesetzgebung und Praxis von Restitution in Österreich gestellt.

Anna Mautner habe nach dem Zweiten Weltkrieg nie einen Rückgabeantrag gestellt, erläuterte Kuratorin Kathrin Pallestrang; sie habe sich wohl auf den (letztlich erfolgreichen) Kampf um die Rückgabe ihrer Villa am Grundlsee konzentriert, ergänzte der Enkel. Die große Trachtensammlung Anna Mautners befindet sich heute im Kammerhof Museum in Bad Aussee, wo man bisher keine Bestrebungen zu Gesprächen über eine allfällige Rückgabe gezeigt habe, sagte Stephen Mautner, der eine solche aber auch nicht gerichtlich erstreiten möchte.

Sanierung soll bis Mitte 2027 dauern

Für das Volkskundemuseum ist „Gesammelt um jeden Preis!“ die letzte große Ausstellung vor der seit langem angestrebten umfassenden Renovierung. Von Ende November 2023 bis zum Herbst 2024 werde das Palais Schönborn, in dem man untergebracht ist, vom Volkskundemuseum mit vielfältigen anderen Aktivitäten bespielt, erläuterte Direktor Mathias Beitl im Gespräch mit der APA. Gleichzeitig werde das derzeit 2.000 Quadratmeter umfassende Depot im Freudenauer Hafen um die Hälfte erweitert, denn das Haus müsse vor Sanierung und Umbau komplett geleert werden.

Die eigentlichen Umbauarbeiten, die mit 25 Mio. Euro aus dem EU-Resilienzfonds finanziert werden, sollen von Herbst 2024 bis voraussichtlich Mitte 2027 dauern. Auch in der Zeit des Umbaus werde man mit vielfältigen dezentralen Forschungs-, Restaurierungs- und Vermittlungs-Aktivitäten präsent sein, so Beitl: „Wir werden uns mobilisieren.“ Nach den Arbeiten werde man „ein Ort, der funktioniert“, und „kein Repräsentationsort“ sein, versprach der Direktor. Es gehe nicht um eine schönere Hülle, sondern um Voraussetzungen für moderne Museumsarbeit.